Schleusen, Brücken und Wehre

Schleusen ist die Kunst das Unmögliche möglich zu machen und auf dem Wasser bestehende Höhenunterschiede zu überwinden. Egal, ob es sich um eine manuell, elektrisch oder automatisch betriebene Schleusen handelt, das Grundprinzip bleibt gleich. Eine Kammer wird gefüllt oder entleert; so kann das Boot Höhenunterschiede überwinden und von einem zum anderen Gewässerabschnitt gelangen.

Zu beachten ist jedoch, daß über die Jahre verschiedene Formen der Bedienung entstanden sind: Die herkömmlichen Schleusen werden per Hand bedient und der Schleusenwärter gibt den Ton an. Bei Bedarf ist es Gang und Gebe, dass ein Besatzungsmitglied abgesetzt wird, der dem Wärter hilfreich zur Hand geht.

Aus Kostengründen wird der Schleusenwärter heutzutage mitunter eingespart. Dann ist nicht nur auf die richtige Reihenfolge der Bedienung zu achten, sondern vor allem auch darauf, dass außer den Toren auch die Schieber geschlossen sind. Die nächste Entwicklungsstufe sind Schleusen, bei denen der Wärter das Ganze per Knopfdruck elektrisch in Bewegung setzt. In diesem Fall kann man sich an Bord auf die Leinen konzentrieren. Moderne Großschleusen werden grundsätzlich elektrisch bedient.

Ein weiterer Schritt zur Einsparung von teurem Personal sind automatisierte Schleusen. Hier muss ein Mitglied der Crew die Schleuse auslösen, z. B. über einen Hebel, Knopf oder Griff - alles vom Wasser/Boot zu erreichen. Daraufhin öffnet die Schleuse die Tore. In der Schleuse wird durch nochmaliges Bedienen eines Hebels der Schleusungsprozeß in Gang gesetzt.

Es gibt Bewegungsmelder am Ufer oder Fernbedienungen, die einem für bestimmte Strecken ausgehändigt werden. Mitunter gibt es auch längere Schleusenketten, die elektronisch miteinander verbunden sind und wo sich Tore automatisch öffnen, wenn ihnen von der vorherigen Kammer ein Boot gemeldet wird.

Im Einzelfall werden einem die Schleusentypen im Revier bei der Übernahme des Bootes an der Basis erläutert.

Beim Heranfahren an eine Schleuse wird zunächst geprüft, ob sich bereits ein Boot in der Schleusenkammer befindet. Ist dies der Fall, so wartet man in angemessener Entfernung um ein ausfahrendes Boot nicht zu behindern. Beim langsamen Verlassen der Schleuse in beiden Richtungen ist darauf zu achten, dass der Bootsrumpf die Tore vollständig verlassen hat, ehe wieder Gas gegeben wird. Wenn mehrere Boote vor der Schleuse warten, fahren sie in der Reihenfolge ihrer Ankunft ein.

Abwärtsschleusen

Talwärts Schleusen gestaltet sich in der Regel einfacher als bergwärts Schleusen, da das Boot bequem zu verlassen ist, um die Leinen um die Poller zu legen und an Bord zurückzuführen. Die Leinen nie fest verknoten, denn nachdem das obere Tor geschlossen und die unteren Schieber geöffnet worden sind, sinkt das Boot langsam mit dem ablaufenden Wasser.

Die Leinen lässt man leicht Hand über Hand laufen, wobei die hintere einem gewissen Sog entgegensteht. Wären die Leinen fest um die Poller verknotet,hinge das Boot in Schlagseite und es könnten sogar die Klampen ausreißen, wenn der Schleusenvorgang nicht sofort abgebrochen werden würde. Hat sich der Wasserstand nach unten ausgeglichen, werden die Schleusentore geöffnet und die Kammer wird langsam verlassen. Der abgesetzte Helfer kann am Ufer unterhalb wieder aufgenommen werden.

Aufwärtsschleusen

Mehr Aufmerksamkeit ist beim bergwärts Schleusen vonnöten. Wenn es die Beschaffenheit des Ufers und die personelle Stärke an Bord erlaubt, setzt man schon vor der Schleuse ein Besatzungsmitglied ab. Derjenige kann nicht nur dem Schleusenwärter zur Hand gehen, sondern auch die Leinen annehmen, sobald das Schiff in der Kammer ist. Die bringt man durch einen gezielten Wurf, oder mit Hilfe des Boothakens nach oben.

Auch beim Schleusen gilt: in der Ruhe liegt die Kraft. Wer langsam einfährt und bedächtig seine Leinen ausbringt, kann bei möglichen Remplern kaum Schaden anrichten. Wenn zuvor niemand an Land gegangen ist, muss das innerhalb der Schleuse passieren, wo in aller Regel Leitern den Aufstieg ermöglichen bzw. die Leinen um vertikal verlaufende Stangen gelegt werden, die an der Schleusenwand befestigt sind. Die Vorleine muss ein Stück nach vorn ausgebracht werden, die Achterleine etwas nach hinten, um so das Boot beim Einströmen des Wassers und der entstehenden Gegenströmung an einer Stelle zu halten.

Um ein seitliches Pendeln des Rumpfes mit Stößen an die Schleusenwand zu verhindern, soll er möglichst in paralleler Lage liegen. Damit das gelingt, müssen die Leinen, die über die Klampe geführt werden immer straff gehalten werden; das bedeutet, bei steigendem Wasserspiegel muss ständig nachgezogen werden. Das ist an der Vorleine nicht zu unterschätzen, da auf dieser der stärkste Zug liegt.

Brücken

Genauso wie Schleusen einer gewissen Vorsicht bedürfen, so sollte man auch unter Brücken langsam hindurch fahren. Den in der Karte angegebenen Durchfahrtshöhen sollte man nicht blind vertrauen, da der Wasserspiegel variieren kann. Der aktuelle Wasserpegel lässt sich zuverlässig an der Meßlatte, die meist am Steuerbordpfeiler einer Brücke montiert ist, ablesen. Beim Durchfahren hält man sich stets in der Mitte, da sich die Brückenpfeiler unter der Wasseroberfläche verbreitern. Vor allem in den Niederlanden und in Belgien sind Hebebrücken häufig, die für die Durchfahrt geöffnet werden müssen. In der Wasserkarte ist ersichtlich, welche Brücken das betrifft. Eine geöffnete Hebebrücke sollte schnellstmöglich passiert werden.

Stauwehre

Besondere Vorsicht ist an Stauwehren geboten. Der Sog, der in der Nähe der Wehre entsteht, kann Boote und Schwimmer zum Wasserfall ziehen und tödliche Folgen haben. In der Nähe eines Wehres zu manövrieren erfordert besondere Aufmerksamkeit. Man fährt direkt zum Anlegeplatz und macht dort fest. Die Fangleinen sollten auf jeden Fall für einen eventuell notwendigen Einsatz bereit liegen. Das Baden und das Benutzen des Beibootes sollte an Wehren tunlichst vermieden werden.

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